Eine ganz besondere Überraschung (39)
Der Vormittag in der Drachenschule im Drachenfelsen am Drachensee wollte und wollte kein Ende nehmen. Ganz anders als Franzi geträumt hatte, stand an diesem Tag keine Drachenturnstunde auf dem Stundenplan. Und obwohl Fräulein Rosanna Funkendrache sich alle Mühe gab, wollte an diesem ersten Schultag nach den Semesterferien die Zeit nicht und nicht vergehen. Ob es daran lag, dass Franzi voller Ungeduld war, weil ihm seine große Freundin Moni eine Überraschung versprochen hatte? Endlich ertönte die Drachenschulglocke, die Drachenkinder durften ihren Nachhauseweg antreten. Nachhauseweg? Für Franzi war es eher ein Nachhause-Flug, wie ihr sicher wisst. Blitzschnell sauste er durch das Drachental in Richtung Feuerkogel. Etwas unterhalb des Gipfels flog er eine Kurve, damit er an der Seilbahn vorbei zur Drachenhöhle kam.
Heute hatte Drachenpapa Fridolin zuhause gearbeitet und das Mittagessen für seine Familie
zubereitet. Aus getrockneten Pilzen hatte er eine Soße gekocht und dazu gab es laaaaaange Spaghetti. Es duftete in der Drachenhöhle wunderbar nach Steinpilzen. Franzi liebte es, die langen Nudeln langsam einzusaugen und dann mit einem „Flupp“ in seinem Maul verschwinden zu lassen. Franziska, seine kleine Schwester wollte es ihm nachmachen, aber bisher war es ihr noch nie gelungen.
Nach dem Essen erledigte Franzi seine Hausaufgaben in
Windeseile. Wenn er sich beeilte, konnte er früher zu seiner Freundin Moni. Der
kleine Drache platzte fast vor Neugier. Als Drachenmama Frieda von ihrem Besuch
beim Zwergenkönig Rötel zurückkam, stand Franzi mit seiner kleinen Schwester
Franziska gerade am Höhleneingang. „Mama, Mama, da bist du ja endlich!“, rief
Franzi und schmatzte Drachenmama Frieda ein Bussi auf die Drachenwange. Dazu
musste er dreimal hüpfen, damit er hochkam.
„Was ist denn los?“, fragte Mama Frieda den kleinen Drachen.
Franzi erzählte ihr von der Überraschung, die bei Moni auf ihn wartete. „Bitte,
bitte, bitte darf ich gleich zu Moni? Ich bin vorsichtig und mache mich auch
unsichtbar“, bettelte er. Drachenmama Frieda lachte und gab ihm einen kleinen
Schubs. „Na, dann los mit dir! Worauf wartest du noch?“, lachte sie. Sie
zwinkerte verschmitzt mit einem Drachenauge. Das ließ sich Franzi nicht zweimal
sagen. Eins – zwei – drei, Zauberei! Schwuppdiwupp, schon flog ein unsichtbarer,
kleiner Drache über die Pisten und schwebte langsam zu Monis Zimmerfenster.
Vorsichtig klopfte er. Moni musste bereits auf ihn gewartet haben, denn sie
öffnete fast sofort das Fenster. Sie winkte das Drachenkind herein. Franzi
schlüpfte ins Zimmer. Er machte sich wieder sichtbar. „Welche Überraschung hast
du nun für mich?“, wollte Franzi voller Ungeduld wissen.
Moni legte einen Finger vor ihren Mund und flüsterte:
„Pssst! Nicht so laut!“ „Du machst es aber spannend“ , maulte Franzi. Moni nahm
ihn an der Tatze. Sie zog den kleinen Drachen zu einem Körbchen. „Sag bloß, du
willst mir deine Katze Minki zeigen? Die kenne ich ja bereits“ , seufzte er.
Plötzlich war leises Miauen zu hören. Das war sicher nicht
Minki, die konnte ganz schön laut mauzen. Vorsichtig hob Moni den Deckel des
Katzenkörbchens ab. „Schau doch!“ Franzi konnte nicht sprechen. Mit großen Augen und offenem Drachenmaul starrte er auf
das Gewusel im Katzenkorb. „So viele Kätzchen!“, rief er. Moni musste
schmunzeln. Sie erzählte dem kleinen Drachen, dass Minki vor ein paar Wochen gar nicht aus dem Körbchen wollte. Moni hatte
sich große Sorgen gemacht. Doch am nächsten Tag staunte sie nicht schlecht.
Vier kleine Kätzchen, fast nackt, mit noch geschlossenen Augen, lagen eng an
die Katzenmama geschmiegt im Korb. Nach einigen Tagen wackelten die Kleinen bereits
durch das Zimmer und begannen allerlei Unfug zu machen. Katzenmama Minki musste
sie mit ihrem Maul packen und ins Körbchen zurückbringen. Eines der Kleinen war
besonders unternehmungslustig und versuchte sogar den Vorhang hinaufzuklettern.
Ja, die Katzenmama hatte alle Pfoten voll zu tun, um ihre kleine
Katzenrasselbande im Zaum zu halten.
Franzi blickte verzückt auf die Kätzchen. Eines war weiß und schwarzgefleckt, eins schneeweiß so wie Morgana, die Katzendame der Hexe Kranawitha. Ein weiteres Kätzchen hatte einen schwarzen Fleck auf der Nase und schwarze Pfoten und das besonders fürwitzige
Kätzchen trug auf dem weißen Fell rote Flecken, einer davon saß an der Schwanzspitze. Immer wieder musste Minki die kleine Rasselbande zurück ins Körbchen stupsen.
„Darf ich eines herausnehmen und streicheln? Kann ich es
überhaupt anfassen?“, fragte Franzi. Moni meinte, er solle sagen, welches er
gerne streicheln wolle, dann würde sie es ihm herausreichen. Der kleine Drache
überlegte kurz und zeigte schließlich auf das rotgefleckte Kätzchen. „Das ist
ein Kater, ein Katzenbub“, sagte sie und reichte Franzi das kleine zarte Wesen.
Vorsichtig öffnete er seine Tatze und ließ sich das kleine Ding auf die Tatze
setzen. Zart kraulte er das Katerchen unter dem Kinn, worauf es zu schnurren
anfing und es sich auf Franzis Tatze gemütlich machte. „Die sind so entzückend.
Ich mag Katzen sehr. Morgana, die der Hexe Kranawitha gehört, mag ich auch
sehr“, erzählte der kleine Drache. Währenddessen war das Katerchen auf seiner
Tatze eingeschlafen. Sanft strich ihm Franzi über das winzige Köpfchen. Moni
hatte ihn die ganze Zeit über nicht aus den Augen gelassen. „Du kannst dir
eines aussuchen, wenn deine Eltern es erlauben. Sie müssen aber noch eine Weile
bei ihrer Katzenmama bleiben, bis sie groß genug sind“, versprach sie.
Franzi konnte sein Glück nicht fassen. Allerdings musste er
erst seine Eltern davon überzeugen.
Der kleine Drache setzte das schlafende Kätzchen zurück in
den Katzenkorb, wo es sich an seine Mama kuschelte, ein Pfötchen streckte und
dann seelenruhig weiterschlief. „Ich frage meine Eltern“, flüsterte Franzi, um
das Katzenkind nur ja nicht zu wecken. Zum Abschied gab er Moni einen Schmatz
und murmelte: „Danke, für die schöne Überraschung!“
Es war dunkel geworden. Franzi flog zurück zur Drachenhöhle.
Im Flug überlegte er, wie er es wohl schaffen könnte, seine Eltern zu
überreden, einen neuen Mitbewohner in der Drachenhöhle aufzunehmen.
Ich bin gespannt, ob Franzi Erfolg haben wird. Was meinst
du?




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