Erfüllte Wünsche und aufregende Entdeckungen (23)

In der letzten Geschichte hatte sich der kleine Drache Franzi eine Belohnung verdient, als er mitgeholfen hatte, die drei Karfunkelsteine des Riesen Erla wiederzufinden. Zwergenkönig Rötel versprach, ihm dafür einen Wunsch zu erfüllen.

Sicher denkst du jetzt, der kleine Drache hätte sich Gold oder Edelsteine gewünscht. Nein! Edelsteine besitzt er selbst, naja zumindest ein paar. Mit diesen baut Franzi große kunstvolle Türme, die seine kleine Drachenschwester Franziska mit Franzis Erlaubnis und viel Vergnügen immer wieder zum Einsturz bringt.

Also, Gold und Edelsteine waren es nicht. Was glaubst du, worüber sich das Drachenkind freuen würde?

An diesem Morgen, als Franzi wieder einmal durch einen Sonnenstrahl geweckt wurde, war es auf dem Feuerkogel bereits ein wenig Frühling geworden. Der Sonnenstrahl wärmte Franzis Schuppenkleid und kitzelte ihn an der Nase. „Haptschi! Haptschi!“, musste Franzi niesen. 

„Oje!“, seufzte Drachenmama Frieda, „Du wirst dich doch nicht erkältet haben?“ Der kleine Drache rappelte sich hoch und lief zur Mutter. „Aber nein, Mama!“, sagte er und grinste über das ganze kleine Drachengesicht, von einem Drachenohr bis zum andern. „Ich werde doch heute nicht krank, wo ich mich so sehr auf meine Belohnung freue.“

Drachenpapa Fridolin kam in die Drachenhöhle. „Es ist viel wärmer geworden. Der Frühling kommt. Man riecht es schon“, meinte er.  – Franzi hatte es auch erschnuppert. Die Luft war irgendwie anders - weicher. Sie duftete auch ein wenig. Wonach? Das konnte Franzi nicht sagen.

Jetzt frage ich dich: „Hast du das auch schon einmal bemerkt?“

Da watschelte Franziska herbei. Die kleine Drachenschwester war noch etwas unsicher auf ihren kurzen Drachenbeinchen. Drachenmama Frieda fing sie auf und drehte sich mit ihr einmal im Kreis. Franziska quietschte vor Vergnügen. 

„Es wird Zeit, dass ihr euch auf den Weg macht“, sagte sie zu Franzi, „Nehmt den Jausenrucksack und die Kräutertasche für König Rötel mit. Richtet ihm bitte einen besonders lieben Gruß von mir aus!“

„Wie machen wir es?“, wollte der kleine Drache wissen. Papa Fridolin sah ihn zuerst fragend an, aber dann lächelte er. „Ja, mein Kleiner“, nickte er Franzi zu und schmunzelte. Vor dem Höhleneingang blieben die beiden stehen. Eins-zwei-drei und SCHWUPPDIWUPP! Beide rieben an ihrer blauen Zauberschuppe.

Unsichtbar für die Menschen erhoben sie sich mit ein paar kräftigen Flügelschlägen in die Luft. Nebeneinander flogen die beiden Drachen zunächst zum großen Sonnstein. Dort ging es knapp am Gipfelkreuz vorbei in Richtung kleiner Sonnstein. Nur zwei Flügelschläge weiter schwebten Franzi und Drachenpapa Fridolin über den Johannesberg. Plötzlich packte Franzi seinen Papa im Flug an der Vordertatze und zeigte auf ein seltsam flaches Boot mit einigen Menschen in komischen Anzügen darauf. Am Rücken trugen sie große Behälter. Die mussten sehr schwer sein, weil sie sich nach vorne beugten. „Haben diese Menschen schwarze und blaue Haut?“, fragte Franzi.

Drachenpapa Fridolin schwebte nun mit Franzi über dem Boot und flüsterte leise: „Das sind Taucheranzüge. Die habe ich schon einmal gesehen. So gehen die Menschen ins Wasser und unter Wasser, damit sie sich dort etwas anschauen können. Aber, was da unter dem Wasser ist, weiß ich nicht. Wir können ja König Rötel fragen. Vielleicht weiß er mehr? Komm, wir müssen weiter! Die Zwerge erwarten uns.“

In einem eleganten Bogen überquerten sie den Drachensee und gelangten nach Karbach. Noch ein Flügelschlag, schon konnte Franzi den Höhleneingang der Rötelseehöhle entdecken. Er lag etwas versteckt hinter einem Felsen. Papa Fridolin und das Drachenkind landeten auf dem kleinen Platz vor der Höhle. Und – eins, zwei, drei! SCHWUPPDIWUPP! Die blaue Zauberschuppe machte sie sichtbar.

Der kleine Drache staunte nicht schlecht, als er sah, dass die Zwerge und in ihrer Mitte der Zwergenkönig sie bereits erwarteten. Fröhlich winkte er. Die Zwerge nahmen zur Begrüßung ihre Mützen ab und warfen sie vergnügt in die Luft: „Herzlich willkommen, Franzi!“, begrüßten sie ihn freundlich. „Wir freuen uns schon, dir die Höhle zeigen zu können. So, wie du es dir gewünscht hast. Und natürlich darfst du einen Blick in die große Schatzhöhle werfen.“


Franzi setzte seinen kleinen Helm auf, den er während der großen Sommerferien in der


Gasslhöhle getragen hatte. Er war ja etwas größer als die Zwerge und wollte sich den Kopf nicht stoßen. Auch Drachenpapa Fridolin setzte seinen Schutzhelm auf.

Die Zwergenschar führte ihre Besucher in die Höhle. Einige von ihnen trugen Fackeln und erhellten so das Berginnere. Bald kamen sie an einen See. Mit einem Boot ruderte die Schar ans andere Ufer. Franzi und sein Papa schwammen hinüber. Weiter ging es durch enge Gänge und über einen weiteren kleineren See tiefer in den Berg hinein. Plötzlich bog ein weiterer Gang rechts ab. Staunend stand Franz vor dem Eingang zu einem riesigen Höhlenraum.

Die Zwerge hielten die Fackeln in die Höhe. Das war ein Glitzern und Gleißen. An den Höhlenwänden und über den Boden verteilt lagen Goldklumpen, Silberstücke und Edelsteine, die in den schönsten Farben strahlten. In der Mitte des Raumes aber lagen auf einem Tischchen drei dunkelrote Steine -  die Karfunkelsteine, die Franzi im Vogelkäfig der Bergdohle Siegi gefunden hatte. „Die Wunschsteine!“, rief Franzi. „Riese Erla hat sich so gefreut, dass sie wieder zurück sind, deshalb möchte er dir das hier schenken“, erzählte Zwergenkönig Rötel und zeigte dem kleinen Drachen einen dunkelvioletten Edelstein, so groß, wie eine Menschenfaust. „Ein Amethyst! Für mich?“, rief Franzi.

König Rötel nickte. Drachenpapa Fridolin hob den Stein auf, um ihn in den Jausenrucksack zu geben. Franzi hüpfte vor Freude. „Danke, danke!“

„Ich lade euch zu einem Festmahl ein. Wir müssen nur ein kleines Stück tiefer in die Höhle. Dort ist alles hergerichtet! Ich hoffe, du magst Drachenpizza mit extra Drachenkäse?“, lud König Rötel ein und ging voran.

Alle setzten sich im Kreis um eine Feuerstelle. Die Küchenzwerge brachten kleinere und größere Stücke herrlich duftender Drachenpizza.

Es wurde still, denn alle ließen es sich schmecken. „Hmm, die ist genauso gut, wie die von Mama Frieda!“, meinte der kleine Drache zwischen zwei Bissen. „Deine Mutter hat mir auch verraten, was du gerne isst. Sie hat mir das Rezept gegeben“, berichtete der Koch mit der weißen Mütze.

Rundum zufrieden erinnerte Franzi seinen Vater daran, den Zwergenkönig doch zu fragen, was es mit dem Boot und den seltsam gekleideten Menschen in Traunkirchen auf sich hätte.

 Freilich wusste der Zwergenkönig, was da vor sich ging: „Franzi, du musst wissen, dass wir Zwerge und die Bergmanderl auf der anderen Seite des Drachensees schon viele Jahrtausende hier wohnen. Vor vielen tausend Jahren lebten am anderen Ufer des Drachensees, dort wo heute der Ort Traunkirchen liegt, Menschenkinder. Sie bauten ihre Hütten aus Holz. Einige davon standen nahe am Ufer auf Pfählen. Archäologen sagen dazu Pfahlbauten.“ „Archäo…, was?“, fragte der kleine Drache. König Rötel erklärte: „Menschen sind sehr neugierig und wollen viel erforschen. Sie wollen wissen, wie die Menschen früher gelebt haben und wie es ihnen ergangen ist. Diese Forscher heißen Archäologen. Sie graben in der Erde nach Gegenständen und Resten von Hütten, die die Menschen vor tausenden von Jahren dort zurückgelassen haben. Manchmal können sie auf dem Grund des Drachensee auch Dinge finden. Deshalb tauchen die Unterwasserarchäologen in ihren Tauchanzügen in den Drachensee. In Traunkirchen wurden viele schöne Keramikschalen, große dicke Ringe aus Metall und andere Sachen gefunden. In einem kleinen Raum, den die Menschen Museum nennen, kann man sich diese uralten Stücke anschauen.“ 

„Woher weißt du das alles?“, wollte Franzi wissen. „Das hat mir ein Bergmandl erzählt, das gleich drüben am anderen Ufer des Drachensees in der Nähe des kleinen Sonnsteins lebt. Es besucht die Menschen im Ort und hört ihnen zu.“

Franzi war nun sehr aufgeregt. Er wollte auch Archäodingsbums werden und in der Erde graben. 

Es war spät geworden. Drachenpapa Fridolin und das Drachenkind verabschiedeten sich. Sie machten sich - begleitet von zwei Zwergen - auf den Rückweg aus der Höhle.

Die Sonne neigte sich gegen Westen und würde bald untergehen. Die beiden Drachen machten sich mit Hilfe der Zauberschuppe unsichtbar. SCHWUPPDIWUPP!

Franzi wollte auf dem Rückflug zum Feuerkogel unbedingt sehen, was die Archäologen wohl gefunden hätten. Dabei mussten die beiden Drachen sehr vorsichtig sein. Als sie sich dem seltsamen Boot näherten, entdeckte Franzi viele kleine Scherben - runde und eckige -, sowie andere Dinge. 

Was das wohl war? Franzi würde am nächsten Schultag seine Lieblingslehrerin, Fräulein Rosanna Funkendrache, fragen. Vielleicht weiß sie etwas? Vielleicht weiß seine Freundin Moni etwas? Der kleine Drache wollte unbedingt mehr erfahren. „Oder vielleicht gibt es ein Buch, das ich in der Drachenschulbibliothek ausleihen kann? So wie damals, als ich im Eisenaubach die versteinerten Schneckenhäuser und andere zu Stein gewordene Meerestiere aus längst vergangener Zeit gefunden habe“, überlegte er.


Du siehst, Franzi hat in der nächsten Zeit viel vor. Und du? Willst du auch mehr wissen? 

 

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